Ich möchte euch heute die weiß/silberne Mac-Version der Logitech Wireless Solar-Tastatur K750 vorstellen, die ich mir vor nun drei Wochen gekauft habe. Und zwar explizit die Funktion und Anschluss an einem Windows-PC, was durchaus funktioniert. Diese Tastatur gibt es zwar auch als PC-Version, da aber nur in schwarz/hochglänzend, was für mich nicht in Frage kommt.
Ich war schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einer weißen oder silbernen schnurlosen Tastatur, die allerdings ein paar grundlegende Qualitätsmerkmale aufweisen sollte, wie man sie von Logitech kennt. Bisher Fehlanzeige. Entweder billige China-Importe mit ebenso billigem Plastik, oder ein zusätzlich einzustöpselnder Funksender, da nicht kompatibel mit der Logitech-Maus, und / oder oft geradezu abenteuerlicher Anordnung der grundlegenden Tasten, so dass sie für Vielschreiber indiskutabel sind. Oder schwarz! Oder mit Kabel. Wirklich nicht lustig.
Nun habe ich diese Tastatur entdeckt und sie gefiel mir in weiß/silber einfach perfekt. Natürlich war sie in dieser Farbzusammenstellung mal wieder exclusiv für den Mac bestimmt, was sonst, schnöde Otto-Normal-Windows-Nutzer können sich ja an hochglänzenden und spiegelnden und staubfangenden schwarzen Tastaturen erfreuen, auf denen man bei schwachem Licht so gut wie nichts erkennt. Gibt ja noch nicht genug schwarze Tastaturen am Markt. ![]()
Also habe ich einfach den Versuch gewagt - dank Amazons kulanter Rücknahmepolitik einigermaßen risikolos - die Mac-Tastatur an den PC zu docken, erstmal sicherheitshalber mit aufgeklebt gelassener Schutzfolie, damit ich sie wieder umtauschen kann, ohne den nächsten Käufer unnötig zu ärgern. Doch die war nach 10 Minuten abgezogen, denn die Kaufentscheidung war klar: Das Ding bleibt bei mir! ![]()
Der Anschluss funktioniert, wie man es von Logitech gewohnt ist: Über die Logitech-SetPoint-Software am Unifying-Stick der Maus mit angemeldet. Das geht ganz easy: SetPoint-Unifying-Software starten, neues Gerät pairen, selbiges anschalten, funktioniert. Der Stöpsel, der bei der neuen Tastatur dabei war, dient mir nun als Ersatzteil. Man weiß ja nie, wozu man es mal braucht. Wenn man nur diese Tastatur betreibt und nicht noch eine Funk-Maus von Logitech hat, reicht das Einstöpseln des beigefügten Sticks, dieser ist bereits mit der Tastatur gekoppelt. Das Installieren der SetPoint-Software kann aber auch in diesem Fall nicht schaden und bietet noch Einstellungsmöglichkeiten.
In der SetPoint-Software taucht nun der Reiter “Eigene Tastatur” mit auf. Offensichtlich ist vorgesehen, dort auch die Tastenbelegung ändern zu können, aber vorgegeben ist dort ledigtlich eine Help-Taste. Vielleicht liegt der Grund darin, dass es eine Mac-Tastatur ist, oder der Treiber für diese neue Tastatur ist noch nicht ausgereift, keine Ahnung. Was man dort aber einstellen kann und vielleicht ab und zu Sinn macht ist “Funktion der F-Tasten vertauschen”. Die F-Tasten bei dieser Tastatur sind per FN-Taste (dort wo bei PC-Tastaturen die Einfüge-Taste liegt) noch mit einer zweiten Funktion belegt, so zum Beispiel die Lautstärke-Funktionen im Media-Player. Wer diese oft braucht, hingegen die normalen F-Tasten-Funktionen gar nicht, kann sich den Klick auf die FN-Taste sparen und dies mit dieser Funktion umschalten.
Die Tastenbelegung dieser Tastatur unter Windows 7 ist weitgehend Windows-konform, also z. B. das @ ist da, wo es normalerweise auch ist, auf Alt/Q, nicht wie aufgedruckt auf dem L. Auch die F-Tasten haben die windows-übliche Belegung und mittels einer FN-Taste noch die oben beschriebene Doppelbelegung.
Was fehlt, ist eine Einfügen-Taste sowie die für den Bildschirmdruck, die ich häufig benötige. Auch sind die °- und die >-Tasten zwar korrekt beschriftet, aber in ihren Funktionen jeweils vertauscht. Aber dieses Problem lässt sich recht komfortabel mit dem kostenlosen Freeware-Tool SharpKeys lösen, mit dem man die Tastenbelegung nach eigenen Wünschen ändern kann. Ich habe jetzt die F13-Taste mit Einfügen belegt, die F14 mit Bildschirmdruck, auf der F15 nochmal den Stummschalter, sowie die beiden vertauschten Tasten entsprechend der Beschriftung belegt. Wie das ganze in SharpKeys aussieht, seht ihr unten auf dem Bild. Nachdem ihr die Änderungen vorgenommen habt, einfach in die Registry eintragen lassen, PC neu booten, läuft. SharpKeys braucht nicht installiert zu werden, sondern nur bei neuem Einstellungs- oder Änderungsbedarf die Exe-Datei starten, Einstellungen vornehmen wie beschrieben, fertig. Wenn die Änderungen am PC einmal gemacht sind, bleiben sie bestehen, selbst wenn die Exe-Datei einmal gelöscht wird. Für den Fall einer Windows-Neuinstallation wäre es aber ratsam, diese sorgfältig aufzubewahren, dann sind die Einstellungen natürlich erstmal wieder jungfräulich und man wundert sich. ![]()

Da diese Tastatur eine Solar-Tastatur ist, entfällt der Batteriewechsel in Zukunft völlig. Die Solarzellen werden unterstützt durch eine Knopfzelle, mit deren Ladung angeblich bis zu drei Monate Laufzeit bei völliger Dunkelheit zu realisieren ist. Das habe ich natürlich noch nicht ausprobiert, jedoch kann ich sagen, dass auch bei dem momentan recht schwachem Tageslicht die Anzeige in der Solar App immer auf 100 % Ladung steht. In dem kleinen Tool, das man bei Logitech herunterladen kann, kann man auch prima überprüfen, ob das Licht ausreichend ist. Auch die Lichtquelle des Monitors sowie künstliches Licht laden die Zellen immer wieder auf. Meine Tastatur steht seit Beginn an immer auf 100 %, ob es nun dunkel oder hell draußen ist, ob ich den ganzen Tag am PC gearbeitet habe oder ihn gerade erst gestartet habe. Es scheint also zu funktionieren, wenn regelmäßig Tageslicht auf die Tastatur fällt, wie es in normalen Räumen der Fall ist. Die Anzeige unten ist bei Dunkelheit draußen und angeschalteter kleiner Schreibtischlampe entstanden. Sollten wirklich mal alle Stricke reißen, wäre die Knopfzelle aber austauschbar, schließlich lebt keine Batterie ewig.
Der Tastaturanschlag ist sehr komfortabel, weil die Tastatur sehr flach ist. Die Hände liegen beim Schreiben fast flach auf dem Tisch, kein Abknicken der Handgelenke mehr, keine Handballenauflage... Sieht einfach gut aus auf dem Schreibtisch und ist macht durch das Eigengewicht einen recht wertigen Eindruck. Auch fühlen sich die Tasten angenehm an, sind etwas rauh, also kein billiges Hochglanzmaterial. Es glänzt nur die silberne Basisfläche leicht sowie der Solarzellenstreifen etwas stärker, aber die Tasten selbst sind matt, also keine störende Spiegelung beim Schreiben und auch bei schwachem Licht alles bestens zu erkennen.
Die Tastenaufteilung ist nach den beschriebenen Anpassungen Standard-Tastatur-konform, also für Vielschreiber recht entspannend, da nicht wieder alles neu gesucht werden muss, insbesondere die weniger genutzten Sonderfunktionen. Alles da, wo es hingehört oder mittels SharpKeys dort, wo man es haben möchte. Der Ausschalter ist bei Nichtgebrauch der Tastatur eine sinnvolle, da stromsparende Einrichtung.
Auch reinigen geht recht flott: Einfach, wenn es im laufenden Betrieb ist, die Tastatur kurz mit dem Aus-Schieber abschalten und mit einem ganz schwach feuchten Mikrofasertuch abwischen. Fertig. Das beiliegende Brillenputztüchlein ist eher witzlos für diesen Zweck. Natürlich sieht man auf weiß/silber zum Glück auch nicht jedes einzelne Fusselchen, der Putzaufwand hält sich also in Grenzen.
Also rundum eine schicke Tastatur.
Einziges Manko: Die Stützen auf der Unterseite der Tastatur sind sehr schmal und wirken einfach klapprig, obwohl sie ausgeklappt nicht wackeln. Ich fürchte, lange würden die nicht im Alltag halten, wenn man die Tastatur vielleicht auch öfter mal hin- und herschiebt ohne sie anzuheben. Das ist unwürdig und hat Logitech auch schon mal besser hingekriegt. Wer wie ich die Tastatur gern ganz flach liegen hat, den stört es nicht, aber das hätte nicht sein müssen, bei einem doch einigermaßen hochpreisigen und edlen Teil.



Mein Fazit:
Ein Kauf, der sich für mich gelohnt hat. Ich schreibe wirklich viel und ich möchte eine einfache, jedoch nicht unbedingt hässliche Tastatur, auf der man die Tasten auch findet und sich nicht erst wieder neu sortieren muss. Das ist mit diesem Produkt gelungen. Und wer die hässlichen schwarzen Klavierlack-Dinger auch leid ist, kann mit ein paar kleinen Tricks und Anpassungen (wirklich leicht, auch für Laien), schnell auch mit der schicken Mac-Tastatur zum Ziel kommen.
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Der Beobachter
Charlotte Link
Ein Roman in gewohnt gutem Schreibstil. Er verspricht recht angenehme Unterhaltung, wie man sie von Charlotte Link gewohnt ist. Sie versteht es, dem Leser einen Blick in die (Un-) Tiefen ihrer Hauptfiguren zu gestatten, so dass man gerne dranbleibt bis zum Schluss.
Dennoch werden dem geübten Krimileser im Laufe der Lektüre so einige Klischees begegnen und die Richtung, die das Buch bald nimmt, zeichnet sich ab:
Der einsame Sonderling, der den ganzen Tag spazierengeht und Leute beobachtet und sich dadurch verdächtig macht.
Das Hauptopfer, das aus lauter Langeweile in der Ehe die erste Gelegenheit zum Fremdgehen ergreift und dadurch ins Visier eines irren Mörders gerät, der alle tötet, nur nicht sie, obwohl sie angeblich sein eigentliches Ziel sein soll.
Der Held, ein Ex-Polizist, dessen Karriere nach einem ungerechtfertigten Vergewaltigungsvorwurf einen Bruch erlebt hat. Nun nimmt er aus Liebe zum verfolgten Opfer persönlich die Ermittlungen auf und gerät auch gleich selbst in die Schusslinie des ihn hassenden ehemaligen Kollegen und Ermittlers, weil er den einsamen Wolf markiert und auch noch heimlich in ihn verliebte Ex-Kolleginnen für seine Zwecke einspannt, welche ihn ihrerseits natürlich sogleich aus alter unerfüllter Liebe bereitwillig in die Ermittlungsergebnisse einweihen.
Und natürlich nicht zu vergessen die Staatsanwältin, die sich aus ärmlichsten Verhältnissen hochgearbeitet hat und deren Vergangenheit als Opfer sie zu ganz eigenwilligen Sichtweisen treibt.
So ist leider früh klar, wohin die Reise geht, wer es (nicht) war, wer welche Rolle spielt und das letzte Drittel ist nur noch ein Katz-und-Maus-Spiel, dessen glückliches Ende natürlich auch vorhersehbar bleibt. Eine kleine überraschende Wendung zum Schluss wäre nett gewesen, aber leider...
Fazit:
Ein solide aufgebauter Psycho-Krimi mit konventionellen Strukturen für zwischendurch. Große Überraschungen sind nicht zu erwarten, dennoch bietet der psychologische Aufbau der Figuren recht gute Unterhaltung.
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Schwarzer Schwan
Horst Eckert
Der Schwarze Schwan ist das erste Buch, das ich von Horst Eckert gelesen habe, und gleich ein hochpolitisches Werk. Eigentlich nicht so sehr meine Präferenz, daher möchte ich mich hier auf ein paar eigene Eindrücke beschränken. Eine wirklich ausführliche Rezension kann man bei der Krimi-Couch finden und es scheint mir nicht sinnvoll, hier noch einmal alles aufzuzählen.
Dennoch möchte ich nicht auf eine eigene Buchbesprechung verzichten, da mich das Buch sehr beeindruckt hat, sowohl sprachlich als auch vom Aufbau her. Die Fäden wurden geschickt geknüpft und zusammengeführt und es machte einfach Spaß, in diese Welt aus Macht, Geld und kaum verhohlener Kriminalität einzutauchen. Erschreckend, wenn man sich die Dimensionen einer Geschichte vor Augen führt, deren Vorbilder ja nur rudimentär verfremdet wurden. Der Hertener Stadtspiegel titelte am 22. November dazu, Horst Eckert wolle wohl verklagt werden. Nun, das Risiko scheint er auf jeden Fall zu lieben, auch wenn er den Klagewunsch vehement bestreitet. ![]()
Angenehm fällt auf, dass Eckert sehr genau recherchiert hat und weiß, worüber er schreibt. Und er schafft etwas, das eher selten ist, nämlich die Hintergründe der Finanzkrise und das politische Macht- und Ränkelspiel um Geld, Einfluss und Posten auch Lesern nahezubringen, die nicht so sehr mit den Geschehen vertraut sind. Köstlich die Szene mit “Mutti”, in welcher der Leser sich plastisch die Kanzlerin vorstellen kann, als säße er mit am Tisch, wenn sie um Posten und Bedingungen schachtert und dabei nonchalant ihre Karten bedeckt hält. Man könnte sie wirklich unterschätzen auf den ersten flüchtigen Blick, doch Mutti weiß genau, was sie will und wie sie es erreicht. Unbedingt lesenswert.
Der einzige Punkt, der mich ein wenig enttäuscht hat, waren die etwas zu blass geratenen Nebenhandlungen, so der Fall der entführten Leonie, der mir zu kurz kam inclusive der Auflösung des Falles. Ich lese ja sehr gerne Krimis, da hätten mich die Hintergründe dieses Falles interessiert. So war es nur eine mit eingeflochtene Nebenhandlung, die wohl eher der gründlicheren Einführung der Investmentbankerin Hanna Kaul und der Haupthandlung diente. Dasselbe leider mit den beiden Studenten Lilly und Patrick, die ihr Leben zwischen unbezahlten Praktika durch heikle Aktionen zu finanzieren versuchen, was gründlich - und für Patrick final - schiefläuft. Eine Handlung, die mehr Raum verdient hätte.
Insgesamt mein Eindruck: Auch für politische Laien ein durchaus spannendes und bereicherndes Werk, unbedingte Leseempfehlung. Es war nicht das letzte Buch, das ich von Horst Eckert lesen werde! ![]()
Das Buch kann im Buchhandel oder über den Amazon-Link bestellt werden.
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© Buchbesprechung 2011 Claudia Leweke
Die Lage ist ernst!
So titelte heute morgen Torsten der Taxi-Blogger aus Paderborn. Was folgte war ein verzweifelter Schrei nach Hilfe, denn er sieht sich einem Heer Zombies, Aliens sowie der fiesen Kreuzung daraus, den Zombi-Aliens und Alien-Zombies (je nachdem wer Mutter oder Vater des entstandenen Biestes war oder auch nur, wer von beiden oben lag, so genau weiß es wohl keiner), ausgesetzt, die uns alle vernichten wollen. Bald schon! Es war also allerhöchste Eile geboten.
Auch ich hatte in letzter Zeit einige Anzeichen dafür entdeckt, dass SIE unter uns sind und zur Bedrohung werden. Aber ich verdrängte das Problem ehrlich gesagt, ich konnte und ich wollte es mir nicht ausmalen, das uns etwas so existentiell bedroht wie dieses Aliengesocks, aber jetzt war es an der Zeit zu handeln! Wenn nicht jetzt, dann nie mehr! Bald würde es zu spät sein - für alles!
Torsten flehte in seinem Bericht alle Leser an, die Meldung so weit wie möglich zu verbreiten, am besten an alle Leute bei Facebook, die nicht schnell genug auf Bäume klettern oder sich entfreunden können, um die Datenflut zu vermeiden. Die ersten Ungläubigen unterstellten Torsten bereits Drogenkonsum, vermutlich etwas dieser Genese, wenn ich die hämischen Kommentare richtig interpretiere, doch die Lage war wirklich verzweifelt und machte rasches Einschreiten unbedingt notwendig.
Nun, kurz vorausgeschickt, sowohl ich als auch meine spezielle Alles-was-nach-Monster-riecht-oder-aussieht-Vernichtungs-und-Eliminierungs-Truppe (AwnMroaVuET) halten es für eher kontraproduktiv, angesichts dieser weltumspannenden Bedrohung nur in stumpfes Weiterverbreiten der Gefahr zu verfallen. Was dem unweigerlich folgen würde, wäre möglicherweise noch viel schlimmer als alle Alien-Zombie-Kreuzungen, die denkbar sind: Ein paar schlau wirkende Leute mit weißen Jäckchen mit überlangen Ärmeln würden uns allesamt kampfunfähig machen, da sie selbst Ungläubige und Unwissende sind und man sie von der Gefahr einfach nicht überzeugen kann. Eingepackt in Watte würden wir vor uns hindämmern, offenen Auges direkt in die schlümme Gefahr blickend und der Vernichtung ausgeliefert. Nein, es konnte nicht die Lösung sein, nur Hysterie und Panik zu verbreiten, das Problem musste anders beherrschbar sein.
Kurz nachdem ich Torstens Hilferuf entdeckte, hörte ich die Spezialtruppe schon heftigst diskutieren. Wispern, Zischen und aufgeregtes Geschnatter drangen an meine Ohren und die ersten Spezialisten hatten sich schon ihre Angriffs-Tarnkleidung übergestreift, so dass man sie nicht als Mitglied der AwnMroaVuET identifizieren und Gegenmaßnahmen ergreifen konnte, denn in Fachkreisen ist ihre Kampfstärke durchaus angesehen und bekannt. Sie schmiedeten bereits konkrete Abwehrpläne.

Mitglieder der AwnMroaVuET, in Tarnkleidung, mit unauffällig-harmlosem Grinsen
Todesmutig - schließlich wollte ich sie mit der Rettung immerhin der ganzen Welt nicht alleine lassen, auch wenn meine Knie vor Angst erbärmlich zitterten - bot ich ihnen meine tatkräftige Hilfe an. Freundlich aber bestimmt lehnten sie mein Ansinnen jedoch ab. Sie benötigten nur einige Dinge, die ich ihnen zur freien Verfügung stellen und mich dann Richtung Büro verzischen sollte, um möglichst unauffällig zu bleiben und die Alienzombies nicht zu warnen. Die Liste war kurz: “Amaretto, Pfeffernüsse in ausreichender Anzahl, ein Christstollen in Bratapfel-Geschmacksrichtung und lass um Gottes Willen den Schlepptop hier, wir brauchen Technik, viel Technik!” Es folgte noch ein knappes und deutliches “Aber zackig!” und ich wurde zur Haustür hinausgeschoben. Eine Hand warf mir meine Jacke hinterher und gab mir noch einen Schubs, ein leises, aber energisches Stimmchen zischte “Hau ab, sie dürfen dich nicht sehen! Weg hier!”
Schweren Herzens saß ich nun also im Büro, verfolgte hin und wieder über mein Smartphone die Lebenszeichen von Torsten bei Facebook, hoffte, dass es noch nicht zu spät war für unsere Mission und wünschte der AwnMroaVuET bei der Rettung der Welt alles Glück. Sie würden es brauchen, da war ich sicher! Und ich vereinbarte, um nicht ausgerechnet mitten in der alles entscheidenden Todesschlacht nach Hause zu kommen, einen Friseurtermin, nur um Zeit zu schinden. Ja, ich bin feige! Sagt nichts!
Nun, ich will eine lange Geschichte ein wenig kürzen. Offensichtlich lebe ich noch und auch den Mitgliedern der AwnMroaVuET geht es prächtig - wenn man von gelegentlichen puderzuckerhaltigen Ausdünstungen und Einstaubungen meines Sofas einmal absieht. Sie haben sich tapfer geschlagen und das Böse unschädlich gemacht. Ihr Einsatzbericht, den sie mir aushändigten, liest sich kurz und knackig: “Monster die Lebensgrundlage entzogen und Technik zur Abwehr späterer möglicher Angriffe organisiert.”
Letzteres gab mir dann doch zu denken und ich hakte ein wenig nach. Sind die Monster tot? Erledigt? Abgemurkst? Und WTF... Technik??? Würde mein Wohnzimmer nun zur Schaltzentrale verkommen und alle Gemütlichkeit einbüßen???
Nein, nein, versicherten mit die Experten. Die Monster sind nicht tot, denn das wäre viel zu nett für sie. Die AwnMroaVuET hatte sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen und ihnen ihre Existenzgrundlage entzogen. Sie schleuderten ihr geheimes AwnMroaVuET-Monster-Umerziehungs-Puder in die Menge und das Ergebnis sind nun massenhaft niedliche kleine Schoß- und Kuscheltierchen, die am kommenden Freitag allesamt vom Weihnachtsmann persönlich als Kleinkinderspielzeug (Null bis maximal drei Jahre!) unters Volk gebracht und dort bekrabbelt, angesabbert und angekaut werden, dazu verdammt, untätig zu bleiben, und das bei vollem Bewusstsein. Sie sagen, das Puder in Verbindung mit der organisierten neuen Technik sei wirklich sicher und niemand habe mehr etwas zu befürchten. Die AwnMroaVuET hat die Lage vollständig im Griff.
Puuuh!
Dabei sah es erst wirklich übel aus. Die Alienmonsterzombies in ihrer gesamten Mannschaftsstärke waren in die DHL-Haupt-Umschlagzentrale eingefallen, wo gerade jetzt die Hölle tobt, und hatten versucht, alle Päckchen, deren Inhalt irgendwie nach iPhones, Netbooks, sonstiger spannender Technik oder guten Krimis aussah, einzukassieren und zu vernichten. VERNICHTEN - man stelle sich das vor!!! Die AwnMroaVuET-Truppe war alarmiert. Das galt es unter allen Umständen zu verhindern. Ein Vernichten solcher Güter lässt kein AwnMroaVuET-Mitglied ungehindert zu, nein, niemals! Man schoss das Umerziehungs-Puder in alle Ecken und Ritzen, bis kein Monsteralienzombie mehr entkommen konnte.
Nachdem nun die Aliens schlussendlich in ungefährliche Kuscheltierchen verwandelt und unschädlich gemacht waren, sah man sich nur noch einem klitzekleinen Problem gegenüber, das man aber elegant wie gewohnt in den Griff bekam. Die Monster hatten es tatsächlich geschafft, alle zur Vernichtung vorgesehenen Pakete und Päckchen bei DHL auszulisten. DHL war praktisch nicht mehr in der Lage, sie dem richtigen Empfänger zuzustellen. Zur Erinnerung: Alle iPhones, Netbooks, Technik-Artikel und Krimis, die zur Zeit unterwegs sind!!! Schlimm! Einfach grausam!
Nun, so ganz genau haben mir die Mitglieder der AwnMroaVuET nicht verraten wollen, was sie getan haben. Es ist aber wohl geplant, dass morgen ein paar DHL-LKW (die Rede ist von etwa 78 LKW, evtl. 2 - 3 mehr) hier bei uns vorfahren und das Zeug bei uns abgeben. Wer also aktuell auf ein iPhone oder sonstiges wartet, kann es gegen eine kleine Schutz- und Bearbeitungsgebühr sicher hier auslösen. Die Preise werden gerade verhandelt und können sicher auch individuell angepasst werden. Zusendung wird dann noch vor Weihnachten versprochen.

Mitglieder der AwnMroaVuET bei der Preisdiskussion, entspannt
Ihr seht: Das Problem ist zufriedenstellend gelöst worden. Weihnachten kann kommen und wenn jemand von euch niedliche kleine Kuscheltierchen unter dem Weihnachtsbaum liegen sieht, deren Herkunft zweifelhaft ist, könnt ihr sie ruhig hin und wieder mal knuffen, treten oder schubsen, es werden wohl die ehemaligen Zombiealiens sein, verdammt dazu, geknuddelt und geschmust und besabbert zu werden. ![]()
... um noch etwas wirklich stilecht zu erledigen, meine Damen. ![]()
Bei Totschlag drücken Sie die #-Taste
Kurioses aus der Polizeinotrufzentrale
Steel
Ich hatte mich sehr gefreut, im VS-Geheim-Blog zu lesen, dass es nun ein Buch zum Blog gibt, und habe es spontan gekauft. Schon seit einigen Jahren verfolge ich die meist skurrilen kleinen Anekdoten aus dem Alltag eines Polizeibeamten in einer Notrufzentrale. Es ist doch immer wieder erstaunlich, was so alles im Gespräch schiefgehen kann und weswegen die Menschen den Notruf wählen.
Das Buch hält das, was der Blog verspricht: Kurzweilige Unterhaltung, manchmal mit ernstem Hintergrund, oft aber mit einem spürbaren Augenzwinkern des Autoren, dessen witzige Dialogbeschreibung das ganze noch einmal reizvoller macht. Er spult nicht einfach 1:1 eine Unterhaltung ab, sondern gibt auch immer ein wenig die Atmosphäre zwischen den Zeilen wieder und man kann sich lebhaft den Blick des Polizeibeamten vorstellen, der einmal mehr in die Abgründe menschlichen Telefonierverhaltens blicken musste.
Kleiner Wermutstropfen: Das Buch enthält keinerlei Geschichten, die langjährige Leser nicht schon aus dem Blog kennen. Daher ist das Büchlein entweder für neu hinzugekommene Blogleser interessant (mit einem Buch in der Hand auf dem Sofa ist es doch gemütlicher, als ein Weblog durchzuklicken!) oder auch als Geschenk für Menschen, die sich nicht im Internet tummeln. Oder aber für E-Mail- und Internet-Ausdrucker. ![]()
Wer sich beeilt, kann damit zu Weihnachten noch ein nettes kleines Mitbringsel überreichen, das bestimmt gut ankommt. Mir hat es auf jeden Fall viel Spaß gemacht, alles nochmal im ganzen zu lesen und ich wünsche dem Büchlein viel Erfolg! ![]()
Das Buch kann im Buchhandel oder über den Amazon-Link bestellt werden.
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© Buchbesprechung 2011 Claudia Leweke
Sorry
Zoran Drvenkar
Schwierig, muss ich zugeben, hier eine adäquate Buchrezension zu schreiben und nicht nur einen gnadenlosen Verriss, denn Sorry ist ein Buch, das mich sehr neugierig gemacht hat, mich aber mit jeder weiteren Seite nicht gefesselt sondern eher gequält hat und mich ratlos, enttäuscht - und ja - böse - zurückließ.
Vorab, die Idee hat etwas witziges. Eine Agentur, gegründet von jungen Leuten, die sich gegen Honorar im Namen anderer Menschen entschuldigt, die nicht den Mut haben, es selbst zu tun. Dass es nicht nur bei den anfänglichen Standard-Aufträgen wie entlassenen Angestellten und enttäuschten Beziehungen bleiben würde, war klar, sonst wäre die Geschichte schnell abgehandelt und langweilig. Und was dieses Buch definitv nicht ist, ist langweilig. Eher im Gegenteil - leider! Denn der zugrundeliegende Plot eines Jungen, der jahrelang von Pädophilen missbraucht und dann mit seinem Älterwerden von diesen fallengelassen wurde, wird in diesem Buch gnadenlos vergeigt, ja wirkliche Opfer sogar verhöhnt, indem man ihre Qualen erst so eingängig schildert wie Drvenkar es schafft, ihnen danach aber eine solch absurde Entwicklung zuschreibt. Dieses Thema in Verbindung mit der erdachten Agentur hätte eine Menge Potential geboten für einen guten und wirklich außergewöhnlichen Thriller, denn der Schreibstil von Zoran Drvenkar ist wirklich sehr eingängig und prägnant. Da hätte Großes entstehen können.
Herausgekommen ist leider ein groteskes Werk, das zwischen Erzählperspektiven, Figuren und Zeiten hin- und herspringt wie ein Karnickel auf Speed. Der Leser ist oft damit beschäftigt, Figuren, Zeiten und Ereignisse zu sortieren und einzuorden, um den Überblick zu behalten (wer war nochmal... was war jetzt nochmal...), was einen Abstand zu dem Geschehen erzeugt, der dem Lesevergnügen nicht zuträglich ist. Die Erzählperspektive des Du, das den Leser in die Gedankenwelt des noch unbekannten Täters führen und eine Identifikation mit diesem herbeiführen soll, wird nicht konsequent gehalten sondern enthält auch immer wieder lange auktoriale Elemente, die da nicht hineingehören, die wieder die Szene nur objektiv schildern aus Sicht eines allwissenden Autoren. Die Erzählperspektiven und auch Zeiten wechseln ständig in ein Davor, Danach und weiß der Teufel noch wann und wer. Man fühlt sich wie jemand, dem etwas ins Kleinste hinein erklärt werden muss, weil er zu dumm ist, selbst seine Schlüsse zu ziehen. Vielleicht aber auch weil der Autor selbst nicht glaubt, was er da zusammenfabuliert hat und seine eigenen Motive begründet. Der Verdacht drängte sich mir einige Male auf.
Leider macht das auch das Ende des Buches aus. Während der Name des Täters früh bekannt ist, ist bis zum Schluss unklar, wer es wirklich ist, wer hinter diesem Namen steckt. Und die Überraschung, dass es nicht der ist, von dem man es glaubte, weicht der noch größeren Überraschung, dass für das ganze groteske und grausame Theater, das sich dort abspielt jemand verantwortlich ist, den es - bis auf ein vages Schuldgefühl aus Kindertagen - überhaupt nicht anfechten dürfte. Jemand, der sich anmaßt, nach Jahrzehnten am Rande des Geschehens stehend nun den großen Richter herauszukehren und Menschen grausam zu richten, der überhaupt keine Berechtigung zu haben scheint, irgendetwas wie größere Rachegedanken zu hegen, geschweige denn sie in solcher Weise auszuleben. Und so schluckt man schlussendlich auch noch an dem Brocken, dass die Agentur, deren Mitglieder zum Teil in der Geschichte umkommen, rein überhaupt nichts mit den Taten, dem Täter oder dem Grund des ganzen Zinnobers zu tun hat. Nein, der Täter wurde auf sie aufmerksam, weil er sich über die Anmaßung dieser jungen Menschen geärgert hat, im Namen anderer eine Entschuldigung auszusprechen. Er wollte es ihnen zeigen. Nun - das hat er, soviel kann ich verraten. Nur der einzige, der wirklich Grund gehabt hätte, so etwas wie Rachegedanken zu hegen, den focht das überhaupt nicht an und er hatte mit den ausufernden Geschehnissen - und ausufernd ist wirklich freundlich formuliert - nicht das Mindeste zu tun, denn er wurde selbst längst zum Mordopfer des Mannes.
Schade, Zoran Drvenkar. Autor und Buchidee sind mir sehr sympathisch, aber das Werk konnte meinen Geschmack nicht treffen. Wirklich traurig stimmt mich das in Bezug auf die letzte Seite des Buches, die Danksagung an helfende Personen. Diese Seite lässt erahnen, wie sehr sich der Autor selbst mit der Geschichte gequält hat, welche jahrelange Mühe darin steckte. Man hätte so unendlich viel daraus machen können und dieser Autor hätte das Potential dazu, ganz sicher!
Sorry! ![]()
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© Buchbesprechung 2011 Claudia Leweke
Dringender Fahndungsaufruf der Fernsehsendung Aktenzeichen XY. Wer kann helfen, das gemeine Verbrechen endlich aufzuklären? Sachdienliche Hinweise nimmt der Mordsblog gerne unter der eingeblendeten Kommentarfunktion entgegen. ![]()
Einfach mal ohne viele Worte hier vorgestellt. Ein ausführliches Interview der Krimi-Couch mit Zoran Drvenkar, dem Autor der Bücher “Sorry” und “Du”. Sorry lese ich gerade aktuell. Sehr spannende Erzählperspektive(n), sehr inspirierendes Interview... ![]()
TotgeliebtTatsachenroman
Andreas Kläne
Der Fall klingt auf den ersten Blick absurd. Eine Frau Anfang 50 aus offenbar guten Verhältnissen taucht in einem kleinen Polizeirevier auf und gibt an, soeben ihren Mann erschossen zu haben. Der junge Polizist, den die Dame mit ihrem unerwarteten Geständnis überrumpelt, weiß dies zunächst nicht in sein Weltbild einzuordnen. “Frauen wie sie braucht ein Polizist nicht abzuführen. Sie kommen von sich aus auf die Wache, tragen ihr Anliegen vor und gehen wieder.”, so werden seine klischeehaften Gedanken in Bezug auf ihre äußere Erscheinung zitiert und er hat wohl einige Mühe, sein Erschrecken zu verbergen. Doch die Kollegen, die sofort zur angegebenen Wohnung eilen, können nur noch eins tun - bestätigen, dass der Mann tatsächlich erschossen wurde und alle Hilfe zu spät kommt.
Die Einleitung liest sich spannend und macht neugierig auf mehr. Wie kommt eine gut situierte Frau dazu, sich ihres Gatten auf diese Weise zu entledigen? Beide waren im Ort wohlbekannt, gut gelitten, anscheinend glücklich verheiratet, Kinder, Enkelkinder, alles perfekt. Warum also der Mord?
Nun, ich will es vorweg nehmen - so richtig eingängig ist mir ein wahres Motiv dieser Frau auch nach der Lektüre nicht geworden. Was auf die Anekdote im Polizeirevier folgt, sind knapp 300 Seiten Schilderung einer Beziehung vom Anfang bis zum tödlichen Sch(l)uss. Wäre dies ein fiktiver Roman, hätte es den Leser nur enttäuscht zurücklassen können bei all der Trivialität, die sich vor ihm Seite um Seite ausbreitete. Geschildert wird eine einst große Liebe, die sich aber an der Realität des Alltags und den Marotten der Liebenden zerreibt. Äußerlich die Fassade einer glücklichen Beziehung aufrecht erhaltend endet sie nach Jahrzehnten in einer bösen Trennung, während der von der einstigen Liebe keine Spur mehr bleibt und alles ins Gegenteil verkehrt scheint, woran die Frau einmal fest geglaubt hat. Eine Frau, die sich vollkommen selbst aufgegeben und nur durch ihren Mann und dessen Karriere gelebt hat, ja quasi nur aus seinem Erfolg und seinem guten Aussehen ihre Existenzberechtigung zog. Ein Mann, den das mehr und mehr störte und der sich eine selbständige, lebendige Frau wünschte - bis er ging, weil sie seine Wünsche nicht erfüllen konnte.
Wie gesagt, so weit so trivial. Wenn dies ein plausibles Mordmotiv darstellen und alles erklären könnte, müssten Deutschlands Häuser voll von erschossenen Ehepartnern sein. Erst zum Schluss in der Entwicklung der Trennungssituation kommt die (selbst-) zerstörerische Entwicklung der Frau ans Tageslicht. Durch Zufall gerät sie an die alte Waffe ihres Mannes, macht sich mit ihr vertraut, pflegt sie, um sich damit eigentlich selbst zu töten, um für sich einen Ausweg zu haben, etwas, das sie beruhigt, aber das sie nicht in die Tat umsetzt, weil sie noch Hoffnung hat.
Die Situation eskaliert, als ihr Mann sie nicht nur wegen einer anderen Frau verlassen sondern sie auch finanziell ausbooten will, sie demütigt und beschämt - sie, die doch immer alles um seiner Willen zurückgestellt hat. Ein geplanter Mord war dies sicher nicht, sondern eine Entwicklung, eine Eskalation und das fatale Vorhandensein der Schusswaffe. Und so lautet die Antwort nach dem Warum eigentlich ganz profan: Weil sie es konnte. Denn wäre die Schusswaffe nicht vorhanden gewesen, es hätte schlicht keinen Mord gegeben. Vielleicht einen Suizid der Frau, aber vermutlich nicht einmal das.
Den Abschluss des Buchs bildet ein Nachwort von Rolf Bossi, der sich darüber ergeht, dass Frauen im deutschen Rechtssystem härter bestraft würden als Männer, weil Richter überwiegend männlich seien. In diesem Fall wurde die Frau wegen vorsätzlichen und geplanten Mordes aus Heimtücke verurteilt. Das erscheint angesichts der Geschichte ungerechtfertigt, aber dass ich soweit mitgehen würde, dass Frauen grundsätzlich härter bestraft werden, kann ich nicht sagen.
Fazit:
Auf jeden Fall ein absolut lesenswertes Buch, das einen nachdenklich zurücklässt. Und bitte gut achtgeben, dass keine Waffen im Haus sind, wenn ihr euch mal wieder über eure Göttergatten ärgert, meine Damen.
Das Buch kann im Buchhandel oder über den Amazon-Link bestellt werden.
© Bilder: Amazon.com Inc. und Tochtergesellschaften
© Buchbesprechung 2011 Claudia Leweke
Bitte nicht wundern, wenn ihr vor diesem Beitrag eine Reihe von Buchbesprechungen seht, die ihr womöglich von meiner Webseite schon kennt. Diese Seite werde ich als nächstes überarbeiten und sie wird mir danach nur noch als Plattform rund um meine Buchveröffentlichungen dienen. Der Alltagskram - Buchbesprechungen, Nachrichten und Meldungen rund um das Thema Verbrechen - soll nicht mehr in eine feste Form gegossen auf irgendeiner Unterseite meiner Webseite umherdümpeln, sondern dazu dient mir dieses Weblog, das hoffentlich viele Leser finden wird.
Und nun genug der langen Worte.
Herzlich Willkommen und schon einmal viel Spaß mit den “alten” Buchbesprechungen allen, die sie bisher noch nicht kennen. Bald geht es hier “richtig” weiter.
Claudia


Lisbeth SalanderVerblendung - Verdammnis - Vergebung
Stieg Larsson
Buchbesprechung von 2010, übernommen von meiner Webseite
Diese Buchbesprechung handelt nicht so sehr von dem Inhalt der Bücher an sich sondern von der Hauptfigur der Bücher, Lisbeth Salander. Während des ersten Buches agiert sie absolut gnadenlos, unbarmherzig und konsequent und es kommt nur zwischen den Zeilen durch, warum sie so handeln muss, wie sie handelt. Man bekommt nur eine leise Ahnung davon, was ihr persönlicher Hintergrund sein könnte. Es wird vieles nur angedeutet. Dennoch schafft sie es, in ihrer Kompromisslosigkeit zu überzeugen und zu faszinieren.
In den beiden weiteren Büchern jedoch schlägt Larsson gnadenlos zu. Die ganz große, dicke Verschwörung bis hinauf in höchste schwedische Regierungskreise. Massen an Eingeweihten, Mitwissern, Mitschuldigen in einem Fall, der im Grunde auf einen einzigen russischen Spion zurückgeht, der sich vor vielen Jahren nach Schweden abgesetzt hat. Ein Mädchenhändlernetzwerk und einige einfach nur tumbe Berufskriminelle ohne jegliche eigene Motivation, die man für seine Zwecke aber prima einspannen kann, da äußerst willig und allzeit gewaltbereit, runden das Szenario ab und der Telefonbuch-Effekt schlägt gnadenlos zu. Hat man zwei bis drei Figuren eingeordnet, tauchen vier bis fünf weitere auf, die auch noch irgendwie dazugehören und einem der Figuren in irgendeinem Zusammenhang bekannt und natürlich hoch- respektive gemeingefährlich sind.
Ich möchte ehrlich sein. Hätte ich nicht im ersten Buch Lisbeth schon ein wenig kennengelernt und wäre neugierig geworden auf ihre Geschichte, ich hätte mir den Rest nicht bis zum Ende angetan. Die Weltverschwörungsnummer ist nicht mein Ding. Vermutlich denken Männer gerne kompliziert, aber die Geschichte, so man davon ausgeht, sie könnte sich so zugetragen haben, wäre vor allem eines: vollkommen überflüssig in ihrem Ausmaß und in ihren Auswirkungen. Wir erinnern uns: Ein einziger russischer... genau. Da fällt frau doch eine schnellere Lösung ein!
Zugute halten möchte ich Stieg Larsson, dass er diese Story wirklich sehr eingänglich und lesbar gestaltet hat. Was mir an der Geschichte selbst an Überzeugungskraft fehlt und manchen Figuren zuviel an Klischee anhaftet (allen voran der hehre als Single sich fröhlich durch die Weltgeschichte vögelnde Enthüllungsjournalist Mikael “Kalle” Blomquist, der es tatsächlich schafft, mit seinen Recherchen zwei Netzwerke von Kriminellen auszuheben und mit seinen darauf folgenden Enthüllungsbüchern die halbe schwedische Regierung aus den Angeln zu heben - jaaa klar doch) hat er bei Lisbeth wieder wettgemacht. Selten hat es eine Figur eines Buches geschafft, mich so sehr in ihren Bann zu ziehen, wie es Lisbeth Salander tat. Sie blieb sich bis zum Schluss treu und auch wenn sie es am Ende des dritten Buches schafft, ein wenig aufzutauen und andere Menschen an sich heranzulassen, zumindest näher als bisher, so wird dennoch ihre Zerrissenheit deutlich und ihre überzeugenden Gründe dafür.
Ich will versuchen, Lisbeth ein wenig zu beschreiben, ohne allzuviel von der Story zu verraten, um den Lesespaß nicht zu mindern. Sie stammt aus absolut kaputten Familienverhältnissen. Da sie mit ihren begrenzten Möglichkeiten als Kind scheitert, weil ihr entweder niemand glaubt oder sie niemand schützt, um - wir erinnern uns - den Russen zu verstecken und dessen Existenz geheimzuhalten - verschafft sie sich mit härteren Methoden Gehör, um ihr Ziel zu erreichen, in Frieden leben zu können. Endet dies während ihrer Kindheit noch in einem Fiasko, weil der Mordversuch an ihrem Peiniger misslingt und sie in der Psychiatrie kaltgestellt wird, so entwickelt sie später die Fähigkeit, als Computer-Hackerin Informationen über andere Menschen zu sammeln. Ein Job bei einer Security-Firma ist genau die Position, in der sie ihre Talente entfalten kann. Ihre Methoden setzt sie nicht immer sauber, aber immer konsequent auf der richtigen Seite ein.
Besonders faszinierte mich an Lisbeth, dass sie trotz aller Widrigkeiten niemals in der Opferrolle verharrte. Sie hat immer einen Weg gesucht - und gefunden - um sich zu wehren und das zu tun, was sie tun wollte. Mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln und trotz aller Begrenzungen, die ihr durch andere auferlegt wurden, denen ihre pure Existenz im Weg war. Dies schaffte sie überwiegend alleine, denn Hilfe - das hat sie früh gelernt - hatte sie nicht zu erwarten. Wann immer sie sich jemandem anvertraute, wurde sie verraten und es ging ihr noch schlechter als vorher. Ihre einzigen wirklichen Verbündeten sind zwei Mitglieder des geheimen Hackerclubs, dem sie angehört. Diese Menschen kennt sie aber nur über das Netz, nicht persönlich, und so stiefelt diese kleine, zierliche Frau ziemlich alleine durch das Leben und schlägt sich im wahrsten Sinne des Wortes durch. Andere Menschen lässt sie nur widerwillig in ihre Nähe und kommt ihr jemand - wie zum Beispiel Mikael - auf persönlicher Ebene zu nahe, wehrt sie diese schroff ab.
Sie schafft es tatsächlich, mit ihren begrenzten Möglichkeiten ihre Feinde zu stoppen und sich soweit vom Hals zu halten, um selbst ein ruhiges Leben führen zu können. Im Grunde geht es Lisbeth während der ganzen Geschichte um nichts anderes. Ihr wurde die Geschäftsfähigkeit aberkannt und sie hatte nur die Wahl, das was sie tun wollte und auch konnte - denn sie ist keineswegs unzurechnungsfähig - unerkannt auszuüben. So spielt sie vordergründig das üble Spiel mit, erstattet ihrem Betreuer Bericht über ihr Leben - zumindest über den offiziellen Teil - und betreibt “Konsequenzanalyse”, wie sie das nennt. Denn Lisbeth hat früh gelernt, dass alles, was sie tut, Konsequenzen hat - zumeist negative Konsequenzen für ihr weiteres Leben - und diese analysiert sie stets unbestechlich. Nun ja, die Lösungen, auf die sie dabei kommt, sind nicht wirklich immer als astrein zu bezeichnen, aber sie sind zumindest immer eines: konsequent.
Als ihr erster Betreuer, der sich wirklich um sie bemühte, einen Schlaganfall erleidet und der Nachfolger seine Machtposition in übelster Weise ausnutzt, beginnt Lisbeth zurückzuschlagen. Aus ihrer Deckungsposition - offiziell ist sie noch immer geschäftsunfähig und übt angeblich auch nur einen Hilfsjob aus - beginnt sie, sich zu wehren. Sie schafft es zunächst, sich ihren Betreuer vom Hals zu halten, indem sie einen Übergriff heimlich mitfilmt und ihm später in wehrloser Position sehr deutlich macht, dass er die Finger von ihr zu lassen hat. Von nun an lebt sie zunächst einmal wieder unbehelligt und kann sich ihrem eigenen Leben widmen. Doch das geht natürlich nicht lange gut, wäre ja auch langweilig. Sie hat noch immer ein paar alte Rechnungen offen und die Zeit drängt immer mehr, diese Rechnungen einzulösen, bevor die Gefahr für sie wieder zu groß wird.
Als sich später die Ereignisse überschlagen und sie bei einem weiteren Mordversuch an ihrem Peiniger mit einer schweren Schussverletzung im Krankenhaus und später in Untersuchungshaft landet, wird auch Lisbeth klar, dass sie Hilfe braucht. Nur widerwillig lässt sie zu, dass Mikael Blomquist und andere für sie kämpfen, die trotz aller Abweisung durch sie unverbrüchlich auf ihrer Seite stehen. Sie ist absolut kampfunfähig und hat keine andere Wahl. Erst spät wird ihr klar - Konsequenzanalyse - dass sie nicht alleine auf der Welt steht und nicht alles im Alleingang schaffen kann. Nicht aus der Position, in der sie sich befindet - verhaftet, unter Mordverdacht, entmündigt und für psychotisch erklärt. Und so lässt sie erstmals wirklich Hilfe zu und entwickelt sich - vorsichtig, aber bestimmt - in die richtige Richtung weiter. Bisher hatte sie keine Freundschaft erlebt und auch keinen Grund, an solche zu glauben. Nun erlebt sie, was Freundschaft bedeuten kann und dass nicht alles einen Eingriff in ihre Privatsphäre bedeutet, was anfangs danach aussieht. Ein schönes Ende für diese Geschichte.
Mein persönliches Fazit:
Vollkommen überzogener Grundplot mit weitläufigen Verschwörungstheorien (wer’s mag...), aber absolut lesenswerte Entwicklungsgeschichte der Lisbeth Salander
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© Buchbesprechung 2010 Claudia Leweke
Falsche Fährten
Kriminalirrtümer und ihre Folgen
Stephan Harbort
Buchbesprechung von 2011, übernommen von meiner Webseite
Der Untertitel des Buches verrät es schon: Stephan Harbort hat diesmal sein gewohntes Terrain der Serienmorde verlassen und schildert Todesfälle unterschiedlichster Art, deren Aufklärung und überraschende Wendung, nachdem schon alles klar schien. Doch den versierten Leser führt er nicht auf die falsche Fährte, oh nein! Noch immer steckt in jeder Seite der Harbort, wie wir ihn kennen: Empathisch, eloquent und äußerst eingänglich schildert er Geschichten und die Geschichten dahinter, tragische Ereignisse, beinahe schon komische, oder einfach nur traurige, aber stets aufwühlende, denn es verbergen sich nun einmal menschliche Schicksale hinter den Ereignissen und keine nüchternen Kriminalstatistiken. Und so sind es auch die scheinbar glasklaren Fälle, die sich später als etwas ganz anderes herausstellen. Suizide, die keine waren, scheinbar tragische Krankheitsereignisse, die doch Tötungsverbrechen waren oder sogar ein gestandener und vom Täter ausführlich geschilderter Mord, dessen vermeintliches Opfer quicklebendig auftaucht. Vorgetäusche Verbrechen, sexuelle Verirrungen und Zeugen, die helfen wollen und doch keine Hilfe sind, Mörder, die am Ende nur zur Rechenschaft gezogen werden, weil sie irgendwann über ihre Taten reden (müssen).
Und dennoch bleibt hin und wieder noch immer ein Rest Zweifel übrig. War es vielleicht doch noch ganz anders? Haben wir vorschnell (ver-) urteilt, weil wir uns täuschen ließen? Haben wir Milde und Mitleid walten lassen, wo ein gemeiner Verbrecher sein Unwesen treibt, der bald schon wieder zuschlagen könnte? Haben wir jemanden eingesperrt, der unschuldig ist?
Wer sich wie ich oft durch die Kommentare diverser Zeitungsartikel über Verbrechen und Gerichtsverfahren liest, der wünscht sich gerade bei solchen Geschichten wie in diesem Buch noch mehr Erkenntnis in die einfach gestrickten Meinungsbilder der Stammtischhelden: Seht hinter die Fassade, macht eure Augen auf und denkt nach. Vielleicht war es ja nicht so einfach, wie man es sich zurechtlegt. Und auch Liebhabern komplizierter und verwickelter Kriminalgeschichten bleibt die Lektüre noch lange im Gedächtnis haften. Denn es handelt sich nicht um fiktive Geschichten sondern um reale Erlebnisse, und im Zweifel um Menschen wie du und ich.
Fazit:
Gelungenes Werk, interessante Lektüre und viel zum Nachdenken.
Und wie immer gnadenlos gut geschrieben, man ist sofort mitten drin im Geschehen.
Webseite von Stephan Harbort
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© Buchbesprechung 2011 Claudia Leweke
3096 TageNatascha Kampusch
Buchbesprechung von 2010, übernommen von meiner Webseite
Die Geschichte von Natascha Kampusch ist aus unzähligen Medienberichten wohl den meisten Menschen präsent. Im August 2006 tauchte im niederösterreichischen Strasshof unvermittelt eine abgemagerte junge Frau auf und behauptete, sie sei Natascha Kampusch, die acht Jahre zuvor als zehnjähriges Kind spurlos verschwunden war. Seit 1998 hatte man nichts von ihr gehört und die meisten hielten sie wohl längst für tot.
In dem Buch schildert sie das Martyrium ihrer Gefangenschaft von Anfang bis zum Ende. Schritt für Schritt fühlt man mit ihr, erlebt das tägliche Wechselbad ihrer Gefühle, liest schwarz auf weiß in immer beklemmenderen Szenen die Gewalt, die Verletzungen, die Demütigungen, die ihr angetan wurden. Protokollartig beschreibt sie Verletzungsmuster, die sie erlitt, Schläge und Tritte, die ihr der Täter zufügte, seelische Qualen, die er ihr bereitete, sowie die vollkommene Deprivation, der sie ausgesetzt war.
Sie war acht lange Jahre gefangen. Als zehnjähriges Kind entführt, eingesperrt in ein winziges, muffiges und von Schimmel befallenes Kellerverlies, das wie ein Tresor gesichert und absolut ausbruchsicher war. Existentiell abhängig von einem Mann, der jederzeit beschließen konnte, sie dort unten verhungern und sterben zu lassen, der ihr anfangs noch einige Wünsche erfüllte, die sie äußerte, sie später aber mehr und mehr misshandelte, schlug, ihre Essensrationen einteilte, ihr immer weniger gab, bis sie an die Grenze des Hungertodes geriet. Er ließ sie für sich arbeiten, putzen, renovieren und kontrollierte jeden ihrer Schritte. Mit der perfiden Behauptung, das Haus sei vermint und jeder, den sie um Hilfe bitten würde, würde sterben, hielt er sie unter Kontrolle und verstärkte seine Macht über sie.
Und es ging um nichts anderes als Macht. Prikopil zog die Grenzen, innerhalb derer sie sich bewegen und existieren konnte. Doch nichts an diesen Grenzen war auch nur annähernd kontrollier- oder berechenbar. Von Tag zu Tag, Stunde zu Stunde oder auch von Minute zu Minute konnte seine Stimmung kippen, er auf sie einschlagen, sie verletzen, sie ohne Licht und Essen tage- und nächtelang in vollkommener Isolation einsperren. In dieser Abhängigkeit verharrte sie acht Jahre ihres Lebens ohne Chance, etwas zu verändern, wuchs heran, wurde von einem Kind zu einer jungen Frau.
Wäre irgendwann dem Mann draußen etwas zugestoßen, sie wäre in ihrem Verlies elendig verhungert. Hätte er irgendwann beschlossen, sich ihrer zu entledigen - er hätte schlicht nicht mehr wiederzukommen brauchen. Der Keller war nahezu unauffindbar, schalldicht gesichert und niemand wusste von Nataschas Existenz dort unten. Nicht einmal die Mutter des Täters, die jedes Wochenende oben im Wohnhaus zu Besuch war und dort für ihn putzte, kochte und wusch, ahnte, was im Keller vor sich ging. Priklopil verbrachte die Wochenenden als braver Sohn oben mit Mutter, während Natascha sich selbst überlassen blieb.
Auch Natascha wurde in späteren Jahren dazu gezwungen, oben zu putzen. Doch nicht ein Haar, nicht eine Hautschuppe von ihr durften übrig bleiben. Er spülte die Abflüsse mit Säurereinigern nach, um auch die letzten Spuren von ihr zu beseitigen. Niemand durfte von ihrer Existenz erfahren. Sie war sein Opfer, er hatte sie geformt, sie gehörte allein ihm. Zum Schluss ließ er ihr nicht einmal mehr ihren eigenen Namen, aus Natascha wurde Bibiana und das Kind von einst verschwand zusehens.
Aber da war auch eine Person, die sich nicht unterkriegen ließ, die sich zum Ziel gesetzt hatte - schon lange vor ihrer Entführung in einem unglücklichen Leben in einem desolaten Elternhaus - mit achtzehn Jahren auf eigenen Beinen zu stehen, von niemandem mehr abhängig zu sein. Aus diesem Elternhaus war sie nach einem Streit mit ihrer Mutter damals grußlos nach draußen gegangen und in die Hände ihres Entführers geraten, in eine Abhängigkeit, deren Ausmaß sie sich nicht vorzustellen vermochte.
Acht Jahre später wußte sie, dass aus dieser Geschichte nur einer von beiden lebend herauskommen konnte. Als sie sich zur Flucht entschied, die letzten Kräfte ihres ausgezehrten Körpers mobilisierte und einen winzigen Moment der Unachtsamkeit des Täters ausnutzte, war ihr und auch sein Schicksal besiegelt. Sie war frei - Wolfgang Priklopil nahm sich noch am selben Abend das Leben, er warf sich vor einen Zug.
Dieses Buch ist hart. Nicht so sehr, weil es ein unfassbares Verbrechen detailliert schildert, sondern weil es dies aus der Sicht einer starken Frau tut, die jahrelang Opfer war und sich selbst befreien musste, weil schon längst niemand mehr nach ihr suchte. Doch sie lehnte die Opferrolle ab und kehrte in ein Leben zurück, das nun unter vollkommen anderen Vorzeichen stand als noch bei ihrer Entführung. Sie war nicht mehr das kleine, unsichere, dickliche Kind, das 1998 entführt wurde. Sie war eine junge Frau, die trotz aller Gräueltaten eines verwirrten Mannes nicht in ihrem Willen zerbrochen war, zu leben, zu überleben. Sie hat zu einer Stärke gefunden, die sicher nicht viele Menschen nach solchen Erlebnissen haben.
In einer sachlichen, oft psychologisierend und distanziert anmutenden Sprache erzählt sie von ihren Erlebnissen. Das Buch ist durchdrungen von Erklärungsversuchen für ihr eigenes und das Verhalten des Täter. Fast greifbar ihr Versuch, zu verstehen, warum Priklopil ihr das antat, warum sie sein Opfer wurde, aber auch die tiefe Abwehr gegen den Begriff “Stockholm-Syndrom”, der eine Solidarisierung mit dem Täter nahelegt, die sie nicht empfand. Es geht ihr um Verstehenwollen, nicht um Nähe und Einverständnis. Und es scheint ein Faktum, dass Priklopil in ihrem Leben sehr wichtig war. Er war der einzige Mensch, den sie in den acht Jahren ihrer Gefangenschaft zu sehen bekam. Von ihm hing definitiv ihr Leben ab, von seinen Entscheidungen, seinem guten Willen, letztlich seiner Existenz. Definitiv kein Grund für Natascha Kampusch, dies in einen Begriff zu packen, der sie erneut in eine Opferrolle drängt, ihr einen Stempel von etwas Krankhaftem aufdrückt
Nur selten nennt sie in dem Buch ihren Peiniger beim Namen. “Der Täter” ist der einzige Begriff, den sie ihm zugesteht und damit zieht sie letztlich unmissverständlich die Grenze zwischen ihm und ihr. Sie war seinem Willen ausgeliefert, es war seine Tat, mit der sie niemals einverstanden war. Letzteres muss sie eindeutig klarstellen, verhielt sie sich doch nach ihrer Selbstbefreiung nicht so, wie man es von einem anständigen Opfer erwartet. Da kommt eine junge Frau praktisch aus dem Nichts, tritt selbstsicher vor Kameras, gibt bezahlte Interviews, berichtet, was ihr zugestoßen ist, vermarktet geschickt das ihr angetane Leid, anstatt sich schamvoll und gebrochen elendig zu verkriechen und womöglich mit falschem Namen heimlich unterzutauchen, nur um in Ruhe gelassen zu werden. Ein Buch des Täters hätte man ohne zu zögern akzeptiert, das eines Opfers scheint suspekt. Ein Opfer hat gebrochen zu sein und schamvoll zu schweigen und dann rasch von der Bildfläche zu verschwinden.
Da wird über sie berichtet als einer Frau, die vielleicht sogar mit dem Mann eine Art Beziehung unterhielt, mit ihm ja sogar in Skiurlaub gefahren sei, zahlreiche Möglichkeiten zur Flucht ungenutzt verstreichen ließ. Da kann es ja gar nicht anders sein, als dass sie einverstanden war, so implizieren solcherlei Artikel. Oder “wohlwollendere” Berichte, in denen von einem Sexmonster die Rede war, welches ein kleines unschuldiges Kind jahrelang missbrauchte, obwohl dafür nie ein Beweis erbracht wurde oder sie dies irgendwann berichtet hätte. All dies kippte die Presse 2006 und später genüsslich über ihr aus, ihr, dem Opfer, das sich so gar nicht in die Opferrolle pressen ließ. Und je offensiver sie mit ihrem Schicksal umging, desto misstrauischer und abweisender begegnete man ihr.
Ich selbst habe anfangs die Presseberichte noch interessiert verfolgt, doch irgendwann abgebrochen. Einzig ein Bericht von ihr selbst konnte geeignet sein, zu sehen was sie gesehen hatte, zu fühlen was sie fühlen musste, ihre Hilflosigkeit zu spüren und das “Warum” zu ergründen.
Dieses Buch liegt jetzt vor und ich kann es allen empfehlen, die einmal hinter die Fassade dieses Verbrechens jenseits reißerischer Sensationspresseberichte sehen möchten.
Ich wünsche Natascha Kampusch, dass sie ihre Ziele verwirklichen kann und es ihr gelingt, ein Leben abseitig dieser furchtbaren Ereignisse zu finden. Das Erlebnis wird sicher immer Teil ihrer Vergangenheit sein - doch möge es nicht ihre Zukunft bestimmen!
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© Buchbesprechung 2010 Claudia Leweke
100 Prozent totDas Phantom vom Grunewald
Stephan Harbort
Buchbesprechung von 2010, übernommen von meiner Webseite
“Am 21. Juni 1982 nimmt die Berliner Kripo in den frühen Morgenstunden den 24jährigen Mann fest. Er soll tags zuvor eine Schülerin vergewaltigt und unsäglich gequält haben. Doch was Günther Jacoby den Kriminalbeamten in den folgenden Tagen erzählt, verschlägt ihnen die Sprache. Der verheiratete Maurer gesteht ungerührt eine ganze Serie von Foltermorden an jungen Frauen. Die ”Phantomjagd“ ist endlich zu Ende. Berlins Bevölkerung atmet auf. Die Presse brandmarkt den Täter als Deutschlands unheimlichsten Frauenmörder”
“Deutschlands unheimlichster Frauenmörder” - was hat man / frau sich darunter vorzustellen? Ein haariges Monster? Eine hakennasige Bestie? Ein finsteres Ungeheuer aus schrecklichen Albträumen, aus denen man bisher zum Glück immer wieder unbeschadet erwachte? Oder noch grausamer, weil sehr viel unberechenbarer: Ein Mensch wie du und ich mit nur einem kleinen Fehler in der Biographie, der unaufhaltsam auf den Abgrund zusteuerte und Tag für Tag ein Stückchen mehr aus der Gesellschaft herausfiel.
Wie gerät ein Mensch, dessen Leben ja genau wie jedes andere einmal als unschuldiger Säugling begann, auf diesen Weg? Wie wird jemand zu einem Sadisten, Mörder, Folterer, der zu keinerlei Mitleid und Empathie fähig scheint? Und wie kann so jemand unerkannt mitten unter uns leben und doch nur durch einen dummen Zufall enttarnt werden?
Harbort geht diesen Fragen in dem vorliegenden Buch nach. In Vernehmungsprotokollen, Akten und nicht zuletzt vielen Gesprächen mit dem Täter selbst spürt er den Ereignissen nach. Stück für Stück entfaltet sich eine Lebensgeschichte, wird eine ungute Laufbahn erkennbar, ungenutzte Chancen, eine Außenseiterexistenz wie aus dem Lehrbuch.
Eine Begründung, Rechtfertigung, Entschuldigung? Mitnichten! Die Taten des “Phantoms vom Grunewald” sind an Brutalität kaum zu überbieten. Auch Harbort lässt keinen Zweifel daran und dieses Buch ist sicher sehr weit jenseits jeglicher Thriller-Atmosphäre, wo man genüsslich mit einer Tasse heißem Kakao am Kamin sitzt und sich gepflegt ein wenig zur Feierabendunterhaltung gruselt. Hier handelt es sich um einen echten Menschen, jemanden, der einem schon morgen selbst begegnen könnte und den man kaum als eine solche Bestie erkennen würde - bis es zu spät ist!
Die Entwicklung vom hoffnungsvollen Anfang bis zum bitteren Ende wird minutiös protokolliert und so manches Mal möchte man als Leser schnell weiterblättern, das Buch zuklappen und die Schilderungen nicht zu nah an sich heranlassen. Das Verstehenwollen, der Versuch, Unfassbares zu (be-) greifen war es schlussendlich, das mich doch bis zum Ende weiterlesen ließ.
Eine Rückschau des Täters und seine Versuche, das Unerklärbare verständlich zu machen, runden diese Fallschilderung ab. Dessen Worte sind wohlgewählt, abgeklärt und mit der spürbaren Distanz von mehreren Jahrzehnten zu seinen schrecklichen Verbrechen. Jahrzehnte, in denen er sicher untergebracht wurde und von Versuchungen ferngehalten wurde. Erklärungsversuche, die es dennoch nicht schaffen, hinter die letzte Hemmschwelle blicken zu lassen, die fallen muss, um zu tun, was er tat.
Und das ist auch gut so! So können wir uns auch morgen wieder angenehm gruseln und müssen nicht darauf achten, was in dem Außenseiter von nebenan so vorgeht, den wir immer verlachen und aus unserer Mitte vertreiben. Dann müssen wir nicht schauen, wo wir selbst Anteile an einer Entwicklung haben, die an so vielen Stellen sehr wahrscheinlich noch aufzuhalten gewesen wäre.
Angenehmen Feierabend!
Webseite von Stephan Harbort
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© Buchbesprechung 2010 Claudia Leweke
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